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15. und 16. Dezember 2008: Das Wetter macht Pause

Trübnis Die meisten Wetterereignisse, die wir bisher auf diesen Seiten beschrieben haben, handeln von Wind und Sturm, von Starkregen und extremen Temperaturen, von außergewöhnlicher Dynamik des Wettergeschehens. Diesmal stellen wir Ihnen einmal das Gegenteil vor: Zwei Tage, an denen sich gar nichts tut. Nichts. Außer vielleicht, dass es morgens (etwas) hell wird und abends wieder dunkel.

Aber auch diese Trübnis hat noch eine Überraschung parat und uns einen Temperaturrekord der besonderen Art beschert. Doch dazu später mehr.

Die Rede ist vom 15. und 16. Dezember 2008. Hamburg liegt im Dreieck zwischen zwei Tiefdruckgebieten über dem Nordmeer und dem westlichen Mittelmeer sowie einem Hochdruckgebiet über der Ukraine. Luftdruckgegensätze sind vor allem in Skandinavien und Südeuropa zu finden, Norddeutschland und Dänemark liegen auf einer großen Fläche konstanten Luftdrucks. Sowohl zeitlich als auch räumlich ändert sich hier nur ganz langsam über viele Stunden bzw. hunderte Kilometer hinweg etwas. Am 15. Dezember steigt der Luftdruck in Hamburg allmählich bei 1013 hPa beginnend an und erreicht um etwa 24 Uhr mit 1019 hPa die höchsten Werte, bevor er im Verlauf des 16. Dezember wieder langsam fällt.

Bei solch ausgeglichenen Druckverhältnissen fällt ein wichtiges Wetterelement schon einmal aus, nämlich der Wind. Er beginnt um 0 Uhr mit geringen 4 m/s (15 km/h) aus östlichen Richtungen, wird über den Tag noch schwächer und kommt am frühen Morgen des 16. Dezember ganz zum Erliegen. Im weiteren Tagesverlauf kommt er selbst in der Spitze nicht über 2 m/s (7 km/h) hinaus. Die Luftmassen bewegen sich sehr gleichmäßig, gut zu erkennen an den Werten für die „Böen“, die durchweg nicht höher liegen als die des mittleren Windes und die ebenfalls dicht an die Nullmarke heranreichen. Die Richtung des Windes wird bei solchen Verhältnissen natürlich eine sinnlose Angabe. Die Messgeräte sind zwar sehr empfindlich und registrieren jede kleine Regung, aber der Wind hat dann einfach keine Vorzugsrichtung mehr, sondern die Luft schwappt mal vor und mal zurück. Entsprechend undefiniert sehen die Kurven der Windrichtung in den Zeiten sehr geringer Windgeschwindigkeit aus.



Die vom Ceilometer gemessenen Werte für die Höhe der Wolkenuntergrenze zeigen durchgehend eine Wolkenbasis in etwa 1000 m Höhe an. Außerdem ist die Reflektivität in den unteren 500 m recht hoch, verursacht durch den nebelartigen Dunst, der über Stadt und Land liegt. Sonnenlicht kommt bei diesen Verhältnissen kaum noch bis zum Boden durch. Direktes gar nicht, und indirektes, also an Nebel- und Wolkenteilchen gestreutes Licht, auch nur wenig, so dass es selbst in der Mittagszeit nur zu einer Globalstrahlung von rund 25 W/m² am ersten Tag und 45 W/m² am zweiten Tag reicht. Immerhin führt dies in der Spitze zu einer Erwärmung der Erdbodenoberfläche um 1 Grad, aber im Vergleich zu echtem Sonnenschein ist das praktisch nichts. Über den Tag summiert beträgt der Einfall von „Solarenergie“ gerade mal 0,1 kWh pro Quadratmeter.



Höhere Werte erreicht die so genannte langwellige Strahlung, also die Wärmestrahlung im infraroten Spektralbereich, die im Wesentlichen von der Temperatur des strahlenden Körpers (Wolken, Luft, Erdboden) abhängt. Die langwellige Strahlung von oben messen wir direkt, die von unten können wir aus der Temperatur der Erdbodenoberfläche berechnen. Beide erreichen Werte von 320 W/m², heben sich aber dadurch auch gegenseitig auf. Der Boden gibt genauso viel Wärme ab, wie er von oben empfängt. Seine Temperatur bleibt konstant.

Kommen wir zuletzt zur Temperatur der Luft. Diese ändert sich während dieser 48 Stunden kaum. Wie auch? Der Wind ist nahezu Null, es wird also keine wärmere oder kältere Luft herantransportiert, was zu einer Temperaturänderung vor Ort führen würde. Solare Einstrahlung ist praktisch nicht vorhanden, so dass sich der Boden tagsüber nicht wie an einem sonnigen Tag aufheizt und dadurch auch die unteren Luftschichten erwärmt. Und letztlich liegt die Wolkenschicht wie ein Deckel über dem Land, so dass langwellige Strahlung von oben und unten gleich groß sind und ebenfalls nicht zu einer Temperaturänderung führen. Und mehr relevante Vorgänge, die eine lokale Erwärmung oder Abkühlung der Luft herbeiführen könnten, gibt es nicht.

So bleibt uns am Ende nur noch ein besonderer Rekord zu vermelden: Sowohl der 15. Dezember als auch der 16. Dezember 2008 sind bisher, seit Beginn unserer Messungen 1995, die Tage mit der geringsten Temperaturschwankung. Gerade einmal 0,72 Grad liegen zwischem dem 24-Stunden-Minimum von 2,8 °C um 22.49 Uhr und dem Maximum von 3,52 °C um 0.40 Uhr am 15. Dezember und sogar nur 0,69 Grad zwischem dem Minimum von 2,51 °C um 6.50 Uhr und dem Maximum von 3,2 °C um 14.00 Uhr am 16. Dezember. Selbst über beide Tage schwanken die Temperaturen um nicht mehr als 1,1 Grad.

Begünstigt wird dieser verschwindende Tagesgang der Temperatur von der Kürze des lichten Tages, also der Zeit zwischen Sonnenauf- und untergang, die kurz vor der Wintersonnenwende nur gut sieben Stunden beträgt. Gerade einmal 13° über dem Horizont steht die Sonne in der Mittagszeit. Fast 16 Stunden lang ist Nacht.

Text und Foto: Ingo Lange

| Verändert am 28. März 2017 von Ingo Lange