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 Wettermast
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Die Tropennacht vom 1. zum 2. August 2003

Eine Tropennacht in Hamburg, das hat man wahrlich nicht alle Tage. Dieses seltene Ereignis, bei dem die Temperaturen in der Nacht nicht unter 20 °C sinken, kann auch nur unter bestimmten Bedingungen auftreten. Zunächst muss natürlich der vorangehende Tag sehr warm sein. Am 1. August lagen die Höchstwerte am Nachmittag bei über 30 °C. Zum anderen muss in der Nacht Bewölkung aufziehen, um eine Auskühlung des Erdbodens durch Abstrahlung zu verhindern. Diese beiden Bedingungen schließen sich meist gegenseitig aus. Mit einer geschlossenen Wolkendecke am Tag keine hohen Temperaturen, ohne Wolken in der Nacht jedoch deutliche Abkühlung.

Die Abkühlung sieht man sehr deutlich in der vorangegangenen Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 2003. Der Erdboden kühlt ab und mit ihm die bodennahen Luftschichten. Die Tiefsttemperaturen in 2 m Höhe liegen bei 14,5 °C, in 10 m Höhe bei 16 °C und ganz oben in 250 m Höhe sogar bei 20 °C. Hierbei handelt es sich nebenbei um eine thermisch stabile Schichtung.

In der Tropennacht zieht jedoch am Abend eine geschlossene Wolkendecke auf, die bis in den Vormittag hinein bestehen bleibt. Zu erkennen ist dies während der Nacht an der langwelligen Strahlung von oben, also der Wärmestrahlung, die von oben nach unten gerichtet ist. In wolkenlosen Sommernächten liegen die Werte um 325 W/m². In der Tropennacht jedoch fallen die Werte kaum ab und liegen fast durchgehend über 375 W/m². Am Vormittag sind die Wolken natürlich auch in den Werten der Globalstrahlung (Sonnenstrahlung) zu erkennen. Die gelbe Linie zeigt die Strahlungsleistung im wolkenlosen Fall an. Die gemessene orangefarbene Linie bleibt bis zum Mittag deutlich darunter.

Die niedrigsten Temperaturen in dieser Tropennacht lagen von 4 bis 6 Uhr zwischen 20 und 20,5 °C, das Kriterium wird also sehr knapp erfüllt. Man sollte diese "besonderen Tage", wie auch Tropentage (Maximum über 30 °C), Sommertage (Maximum über 25 °C), Frosttage (Minimum unter 0 °C) und Eistage (Maximum unter 0 °C) nicht allzu ernst nehmen, denn die Grenztemperaturen sind zwar schöne glatte Zahlen, aber letztlich willkürlich festgelegt (außer vielleicht die 0 °C-Grenze bei Frost- und Eistagen). Wäre das Kriterium für Tropennächte nicht 20 sondern 19 oder 21 °C, gäbe es sofort mehr bzw. weniger davon, obwohl sich die Nächte kaum unterscheiden.

Abschließend sei noch bemerkt, dass die meisten Menschen von einer Tropennacht gar nichts mitbekommen (abgesehen von den ungewöhnlich hohen Temperaturen im Schlafzimmer trotz geöffneten Fensters). Denn auch in klaren Nächten nach einem 30 °C-Tag sinken die Temperaturen erst in den frühen Morgenstunden unter 20 °C, in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August z. B. um etwa 1 Uhr. Und wenn auch der nächste Tag wieder sonnig wird, sind um 8 Uhr morgens schon wieder 20 °C erreicht. Richtig genießen kann man das Außergewöhnliche einer Tropennacht also nur um 4 Uhr morgens!












Text: Ingo Lange

| Verändert am 28. März 2017 von Ingo Lange